Gyde Callesen – Angst hat die Quersumme 5

Es ist ein Roman, in welchem die Hauptprotagonistin Anna Svendheim plötzlich eine Panikattacken erleidet. Sie ist Reisefotografin, oft unterwegs, verbrachte auch einmal mehrere Monate in Australien und befindet sich zum Fotografieren gerade alleine auf einer einsamen Insel, als ihr plötzlich heiß und kalt wird, ihr Herz zu rasen beginnt, der Horizont vor ihren Augen schwankt, ihr Kopf sich wie in einem Schraubstock anfühlt und sie einen stechenden Schmerz in ihrer Brust erfährt. Sie flieht bei nächster Gelegenheit von der Insel und erlebt nun, dass ihr Radius täglich kleiner wird. Gyde Callesen gelingt es gut, die Angst, die Panik, die Plötzlichkeit und auch die Heftigkeit dieses Gefühls zu beschreiben. Die Romanfigur erlebt das Auseinanderbrechen ihrer bislang funktionierenden Welt- Jobverlust, Trennung ihres Freundes, Finden eines neuen Jobs bei einer Regionalzeitung und erlebt nie dagewesene Tiefen. Verzweiflung, Ohnmacht, Angst, Einsamkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit. Leider erfährt Anna Svendheim kaum professionelle Hilfe. Sie fährt zwar für 8 Wochen auf Kur, aber ist sonst die meiste Zeit mit ihren großen Problemen auf sich alleine gestellt. Noch dazu hat sie ein negatives Bild von Verhaltesntherapie.

Hier hat die Autorin leider nicht das nötige Wissen gehabt, um ein richtiges Bild von Verhaltenstherapie zu zeichnen. Hilfreiche Worte und Ansätze- in Richtung Achtsamkeit, Akzeptanz und Selbstmitgefühl- werden einer Art Traumfigur oder guten Fee in den Mund gelegt. Obwohl diese Ansätze seit Jahren zu einem festen Bestandteil der Verhaltenstherapie zählen und nachweislich hilfreich sind. Auch gehört das Besprechen und Suchen der möglichen Faktoren, welche zum Störungsbild beigetragen haben und immer noch beitragen und dieses möglicherweise auch aufrecht erhalten, zu einer guten Verhaltenstherapie. Es ist sehr schade, dass das sonst sehr gut zu lesende Buch, diesbezüglich so wenig hilfreich ist.

Irvin D. Yalom – Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten

Es ist die Autobiografie von Irvin Yalom, der in seinem jüngst erschienenen Roman sich selber, seinen Werdegang und sein abwechslungsreiches wie reichhaltiges Leben zum Thema macht.

Als Kind von russisch- jüdischen Einwanderern wächst er in großer Bescheidenheit in Washington D.C. auf und lernt von seinen Eltern harte Arbeit und Fleiß kennen (sie betreiben direkt unter der Wohnung ein Lebensmittelgeschäft). Da die Eltern 6 Tage die Woche geöffnet haben, ist Irvin die meiste Zeit auf sich allein gestellt. Zu seiner Mutter hat er zeitlebens ein sehr distanziertes Verhältnis, seinen Vater, so bedauert er später, kennt er viel zu wenig. Die Ehe der Eltern verläuft sehr gut- sie hängen sehr aneinander.

Yalom kann sich einen der wenigen, für Juden vorgesehenen Studienplätze in Medizin erkämpfen. Bereits im 1. Studienjahr weiß er, dass er sich als Psychiater ausbilden lassen möchte. Von einer eigenen Analyse ist er wegen der großen Distanz der Therapeutin ihm gegenüber enttäuscht. In all den Jahren der praktischen Tätigkeit mit Patienten und auszubildenden Assistenzärzten stellt er fest, dass das persönliche Verhältnis, die Transparenz im therapeutischen Arbeiten und die Offenheit grundlegende Fortschritte im Therapieprozess mit sich bringen. Damit ist Yalom Vorreiter einer neuen Denkweise.

Ein großes Forschungsthema im Laufe seiner Tätigkeit als Stanford Professor sind Gruppentherapien. Er selber hatte das Glück, den Anfang von Therapiegruppen mitzuerleben und durfte diese dann auch sehr bald gestalten und leiten. Er experimentierte und beobachtet, dass die Patienten und Patientinnen am meisten von den Rückmeldungen der beobachtenden Assistenzärzte profitierten und auf diese nach kurzer Zeit bereits warteten.

Das Buch ist nicht nur eine Darstellung seiner medizinischen und psychotherapeutischen Laufbahn, sondern umfasst auch eine ganz große Liebesgeschichte. Yalom lernte bereits als Schüler seine Frau Marilyn kennen und liebe. Ihr großes Interesse an Literatur verbindet die beiden auf besondere Art und Weise. Bald sind sie unzertrennlich und heiraten einige Jahre später. Bis heute schätzt sich Yalom überaus glücklich, seine Frau an seiner Seite zu haben.

Eine große Begabung Yaloms ist auch sein schriftstellerisches Talent. Gleich zu Beginn seiner Facharztausbildung veröffentlicht er seinen ersten Artikel in einer Fachzeitschrift. Viele weitere sollten folgen. Ebenso wie eine ganze Reihe von Büchern, in denen er zunächst sein Wissen und seine wertvollen Erfahrungen als Therapeut weitergibt, bevor er seine Leidenschaft zur Literatur mit dem psychotherapeutischen Wissen in Romanen zusammenfließen lässt. So entsteht zum Beispiel der fiktiv historische Roman "Und Nietzsche weinte". In diesem sucht Nietzsche Dr. Breuer in Wien auf und bittet ihn, ihm wegen seiner Depressionen zu helfen. Yalom beschreibt in seiner Autobiografie nicht nur die große Freude am Schreiben, sondern auch sein großes Interesse und seine Lust am intensiven Recherchieren im Vorfeld.

Es ist ein großartiges, leichtes und gleichzeitig sehr anregendes und faszinierendes Buch über ein noch außergewöhnlicheres Le

Hans Morschitzky – Angst und Sorgen die Macht nehmen. Selbsthilfe bei Generalisierter Angststörung.

Sorgen und Ängste nehmen zu. Immer mehr Personen sind verstärkt von diesen betroffen und leiden vermehrt darunter, obwohl Wohlstand, Sicherheit und Absicherungen in den letzten Jahren gewachsen sind. Es werden Sorgen gewälzt und ganze Sorgenketten gebildet, ohne dass Lösungen für diese gefunden werden können. Auffallend ist, dass es diesen Personen schwer fällt, mit einem gewissen "Restrisiko" leben zu lernen. Sorgen beinhalten zukünftiges Geschehen, das eintreten könnte, aber meistens nicht eintritt. Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten von negativen Ereignissen werden oft überschätzt. Es können die Sorgen aber auch als eine Art Absicherung gelten- denke ich an den schlimmsten Ausgang oder die schlimmsten Möglichkeiten, werden diese nicht eintreten. Das würde in Richtung magisches Denken hinauslaufen. Diverse Denkfehler werden an den Tag gelegt, die die Sorgen aufrecht erhalten. Immerzu quälen aber Fragen "Was wäre, wenn...".

Bei der Generalisierten Angststörung stehen oft Sorgen um die nächsten Angehörigen im Vordergrund. Es bestehen Ängste, dass diesen etwas zustoßen könnte, diese erkranken oder sogar plötzlich sterben könnten. Dabei empfindet sich die ängstliche Person möglicherweise als besonders empathisch und "für-sorglich", und würde ein anderes Verhalten vielleicht sogar als herzlos betrachten. Dass diese Sorgen auf der anderen Seite zu Bevormundung und Einengung führen können, wird dabei nicht in Betracht gezogen.

Sorgen und Ängste über mögliche zukünftige Ereignisse haben oft auch mit einem geringen Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit zu tun. Trotz positiver Erfahrungen werden negative Ausgänge verstärkt in Betracht gezogen, da die Betroffenen kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten haben. Diese geringe Selbstwirksamkeit führt demnach zu Hilflosigkeit und Angst. In der Therapie kann ein Ziel sein, neues Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und dann mutig Dinge zu tun, obwohl Angst da ist. Ziel ist es nicht, die Angst gänzlich auszuschalten. Sondern mit dieser umgehen zu lernen.

Das nötige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Person kann mittels Verhaltensexperiment wieder gewonnen werden. Dazu werden Situationen ausgesucht, welche Unsicherheiten hervorrufen. Das kann zum Beispiel ein Lokalbesuch in einem neuen Lokal sein, oder das Bestellen und Ausprobieren einer neuen Speise, oder das Einkaufen, oder das Treffen einer Entscheidung ohne den Partner oder Freunde zur Absicherung miteinzubeziehen, etc. Mit all diesen alltäglichen Experimenten können neue Verhaltensweisen trainiert werden.

Das Buch von Hans Morschitzky beleuchtet die Problematik der Generalisierten Angststörungen aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, differenziert genau zwischen der Generalisierten Angststörung sowie anderen Angsterkrankungen wie den Phobien, der sozialen Angst, den Panikattacken, und gibt gute und vielfältige Anregungen zur Bewältigung.

U. Schmidt/ J. Treasure/ J. Alexander – Die Bulimie besiegen. Ein Selbsthilfeprogramm.

Das vorliegende Buch thematisiert viele Bereiche, welche für viele Betroffene mit einer Bulimie oder Binge- eating- Störung relevant sind oder sein können. Es wird kein fixes Programm mit strikten Punkten vorgelegt, sondern ist eine Themensammlung. Diese allerdings beruht auf vielen praktischen Beispielen - sowie viel praktischer Erfahrung der Autorinnen- und enthält viele Anregungen und Ideen, die zur Verbesserung der Essstörung führen sollen. Ein Fragebogen zu Beginn lässt den Leser/ die Leserin abklären, ob er oder sie an Bulimie leidet und wenn ja- wie hoch die Motivation für eine Veränderung des aktuellen Zustands ist. Auch werden dann Überlegungen zur Unterstützung angeregt- wer kann auf dem Weg der Veränderung hin zur Verbesserung unterstützen? Vertrauensvoll mitgehen und begleiten? Ermuntern und motivieren ohne zu kritisieren?

Alle wichtigen Themen folgen danach- die Auswirkungen und Wirkungsweisen von Diäten, die Notwendigkeit des regelmäßigen Essens sowie zur Selbstbeobachtung, der zunächst meist kritische und später hoffentlich akzeptierende und freundliche Umgang mit dem eigenen Körper... es geht zu Beginn um Essattacken und deren zahlreichen, meist körperlichen Auswirkungen. In späteren Kapiteln werden auch die möglichen Hintergründe zur Entstehung aufgegriffen. Wie es zu einer Essstörung kommen konnte. Welche Faktoren bis heute möglicherweise beteiligt sind. Wie manche von diesen verändert werden können. So werden Beziehungen amgesprochen- zu Eltern, zu Freunden, zu Partnern. Aber auch sexueller Missbrauch in der Kindheit, welchen ca. 30 Prozent der betroffenen Frauen erfahren haben.

Es ist ein umfangreiches, sehr praxisorientiertes Buch,  das nicht nur zur Selbsthilfe anleitet, sondern auch einen guten Begleiter zu einer Therapie darstellt.

E. Roediger/ W.T.Behary/ G.Zarbock- Passt doch! Paarkonflikte verstehen und lösen mit der Schematherapie

Das vorliegenden Buch beschreibt und erklärt einerseits die Schematherapie und geht andererseits ausführlich auf die Paartherapie ein. Wieso gibt es auf diesem Gebiet ein Anwendungsfeld für die Schematherapie? Öfter zeigt sich, dass Paarkonflikte meistens durch alte und gleichbleibende Verhaltensmuster entstehen, welche in der Kindheit geprägt wurden und damals zum Teil angemessene Bewältigungsstrategien darstellten. Im Erwachsenenalter verändern diese sich meist nicht ohne aktives Zutun und stellen aber mittlerweile ein maladaptives Verhalten dar. Die Autoren bezeichnen dies als "Schema- Falle", in der man dann nicht alleine, sondern mit dem Partner, der Partnerin zusammen sitzt.

Die Autoren machen im Laufe des Buches klar, dass es gerade bei Paarkonflikten nicht nur um Beziehungsarbeit miteinander geht, sondern zunächst um die Arbeit an sich selber. Hilfreich ist es, die eigenen Schemata und Bewältigungsmodi kennen zu lernen um benennen und analysieren zu können, welche Situationen besonders konfliktreich sind, welches Verhalten sofort in Gang gesetzt wird und damit meistens eine Spirale an Konflikten ausgelöst wird. Das Buch erklärt dafür das Modell der Schematherapie und verdeutlicht die beigelgten Arbeitsblätter anhand praktischer Beispiele.

Aus der Paartherapie werden zahlreiche bekannte Thematiken, Problembereiche wie Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Klar geht hervor, dass Verliebtheit geschenkt wird, Liebe und Partnerschaft aber tägliche Arbeit bedeuten. Wie die Partnerwahl funktioniert? Wie Partner ausgewählt werden? Wie sich Beziehungen entwickeln? Welche klassischen Problembereiche gibt es? Wie kann in Konfliktsituationen miteinander kommuniziert werden? Auf diese und viele weitere Fragen wird Antwort gegeben- stets vor dem Hintergrund der Schematherapie.

E. Roediger – Was ist Schematherapie? Eine Einführung in Grundlagen, Modell und Anwendung

Die Schematherapie wurde vor ca. 20 Jahren von Jeffrey E. Young in den USA entwickelt und hat ebenfalls (wie z.B. die Akzeptanz- Commitement Therapie, siehe vorherige Buchrezension) die Verhaltenstherapie als Grundlage.  Young arbeitete damals in einem verhaltenstherapeutischen Institut und konzipierte dort Trainings- und Forschungsprogramme. Er stellte fest, dass manche Patienten von der kognitiven Verhaltenstherapie sehr wenig profitieren konnten. Dies lag nicht an deren Motivation, sondern an Emotionen, welche durch die therapeutische Beziehung aktiviert worden waren und den Therapieverlauf negativ beeinflussten. Die Schematherapie zielt nun darauf ab, genau diese negativen Beziehungserfahrungen zu thematisieren und mit anderen, positiven Erfahrungen und Emotionen, zu überschreiben, um dann zu verhaltenstherapeutischen Maßnahmen zurückkehren zu können.

Es sollen nicht nur die vordergründigen Probleme behandelt werden, sondern auch die zugrundeliegende Persönlichkeitsstruktur. Oft wird beobachtet, dass Bindungsstörungen auftreten, welche keine langanhaltenden positiven Ergebnisse der Therapie zulassen. Die Schematherapie versucht durch die Gestaltung der Beziehung zwischen Patient und Therapeut diese positiv zu beeinflussen und eine sichere, tragfähige und stabile Beziehung aufzubauen.

Ein weiteres Ziel der Schematherpie ist es, zu lernen, sich von den vordergründig emotional gesteuerten Prozessen zu distanzieren und eine Selbstreflexion anzuregen und einzuüben.

Roediger hat ein sehr lesenswertes Buch zur Einführung in die Schematherapie vorgelegt, welches zur tieferen Auseinandersetzung anregt.

Matthias Wengenroth – Das Leben annehmen – So hilft die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)

Wengenroth stellt in seinem Buch " Das Leben annehmen" eine relativ neu entwickelte (vor 20 Jahren in den USA) Richtung der Verhaltenstherapie, welche mit dieser sehr gut kombinierbar ist, aber eben neue Inhalte aufgenommen hat. Ausführlich, aber sehr spannend und gut erklärend (ohne Fachchinesisch, wie er es ausdrückt), geht der Autor auf die Hintergründe ein, stellt einen Vergleich mit der kognitiven Verhaltenstherapie her, beschreibt diese auch genau, bevor er sich der Akzeptanz und dem Commitment zuwendet. Ein ganz zentraler Begriff dabei stellt die Achtsamkeit dar- der Augenblick, in dem wir uns gerade befinden. Unsere "Denkmaschine", wie Wengenroth unser Gehirn benennt, lässt uns durch diverse Denkprozesse entweder auf die Vergangenheit oder auf die Zukunft konzentrieren. Oder schafft uns durch festgefahrene Sprüche wie "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" ein Korsett, das in Frage zu stellen ist.

Das eigene Problem unter dem man leidet und das einen einschränkt, also z.b. Ängste,  Zwänge, depressive Verstimmungen oder auch besonders negative Gedanken stellt Wengenroth als Monster dar, welches sich in den Weg stellt und damit den Betroffenen behindert. Nun gibt es zwei Möglichkeiten- man weicht dem Monster aus und vermeidet damit bestimmte Wege (z.b. ich gehe erst gar nicht außer Haus um mich nicht anstecken zu können oder um soziale Kontakte erst gar nicht aufkommen zu lassen, etc.). Die andere Variante wäre die Akzeptanz des Monsters und die Mitnahme von diesem auf dem vorliegenden Weg. So würde mich zwar die Angst, mich auf der Straße im Kontakt mit anderen anstecken zu können begleiten, aber ich würde mich dieser momentan unangenehmen Situation dennoch stellen. Die Zufriedenheit und Lebensqualität wäre vermutlich nach zweiter Variante höher. 

Es geht also darum, auf seine Gefühle und Gedanken hinzuschauen und mit ihnen leben zu lernen, anstatt diese das Ruder übernehmen zu lassen und sich Einschränkungen hinzugeben. 

Gedanken und damit auch Gefühle unterliegen diversen Fehlinterpretationen, welche es genau zu hinterfragen gilt. Wengenroth beschreibt etliche dieser Fehler unserer "Denkmaschine" und gibt viele Hinweise, Bilder, praktische Vorschläge, wie diese überwunden werden können. 

M. Rufer/ H. Alsleben/ A. Weiss – Stärker als die Angst. Ein Ratgeber für Menschen mit Angst- und Panikstörungen und deren Angehörige

Wie der Titel bereits sagt, wurde dieses Buch für Betroffene und Angehörige geschrieben. Was auch sehr erfolgreich gelungen ist. Es ist ein dünnes Buch, das sehr viele Inhalte sehr anschaulich und verständlich erklärt und welches Betroffene zur Selbsthilfe ermuntert. Ausgegangen wird von der Frage, was Angst eigentlich ist, ob dieses Gefühl notwendig ist, ob es normal ist, Angst zu haben und Angst zu zeigen und ab wann von einer Angststörung gesprochen werden kann. Auch werden die unterschiedlichen Arten der Angststörungen dargestellt- spezifische Phobien, wie beispielsweise vor Spinnen oder Höhen, die Agoraphobie, welche als "Platzangst" übersetzt wurde und nicht nur die Angst vor großen Plätzen beinhaltet, sondern auch die Angst vor Aufzügen, Verkehrsmitteln, Kaufhäusern und anderen engen Räumlichkeiten; die soziale Phobie, bei welcher Unbehagen und Angst im Kontakt mit anderen Personen auftritt. Weiters zählen noch die Generalisierte Angststörung und die Panikstörung zum Spektrum.

Wie Angststörungen überhaupt entstehen? Dazu tragen diverse Faktoren bei, wie Erziehung und Prägung durch das elterliche Verhalten, belastende Lebensereignisse, Persönlichkeitsfaktoren, Überforderungen, etc.

Doch was ist nun dagegen zu tun? Wie kann man sich von den Belastungen und Beeinträchtigungen befreien? Die Antwort ist eindeutig- es ist notwendig, sich der Angst zu stellen und gezielt Angst auslösende Situationen aufzusuchen. Klarerweise wird es da zunächst zu einem Angstanstieg kommen. Doch je öfter die Situation aufgesucht und ausgehalten wird, umso geringer wird die Angst in der Situation ausfallen. Die Person lernt, dass diese Situation nicht so schlimm ist wie angenommen und dass ihre Befürchtungen nicht eintreten. Das Buch gibt genaue Anweisungen, wie diese Übungen ausgesucht, gestaltet, strukturiert und durchgeführt werden, wie die Angst verlaufen wird, wie lange geübt werden muss, etc. Auch die Hintergründe, warum üben notwendig und sinnvoll ist, werden erläutert.

Ist es nicht möglich, durch eigenständiges Üben zu einem befriedigendem Ergebnis zu gelangen, ist es hilfreich, sich professionelle Hilfe zu holen, wie beispielsweise in einer Verhaltenstherapie. Diese Therapieform zeigt nachweislich die besten Erfolgsaussichten bei der Behandlung von Angststörungen. Die Autoren erklären nicht nur den Ablauf einer Verhaltenstherapie, sondern erläutern auch die medikamentöse Behandlung, die Vor- und Nachteile dieser und welche Arten von Medikamenten bei Angststörungen verschrieben werden können. Auch Informationen zu Selbsthilfegruppen werden gegeben- wie diese aufgebaut und ablaufen sollten, und wo dieses gefunden werden können.

Ein sehr empfehlenswertes Buch!

E.S.Becker, J.Hoyer – Generalisierte Angststörung (Fortschritte der Psychotherapie)

Im Mittelpunkt der Generalisierten Angststörung steht das Sich Sorgen. Manche Patienten beschreiben, dass sie sich viele Stunden pro Tag Sorgen machen und an nichts anderes denken können. Oft entstehen Sorgenketten- von einer Sorge geht es in die nächste über, ohne dass diese zu Ende gedacht werden. Auch charakteristisch ist, dass die Sorgen als unkontrollierbar wahrgenommen werden, wodurch diese zu noch mehr Angst und zu höherer Belastung führen. Meistens haben die Sorgen und Ängste einen sehr realistischen Hintergrund. Panikattacken treten bei einer generalisierten Angststörung eher selten auf.

Der vorliegende Band stellt drei verschiedene Therapiemethoden vor, die speziell für die Behandlung von generalisierten Angststörungen entwickelt wurden. Zum einen geht es um ein Konfrontationsverfahren. Hier sollen Sorgen zu Ende gedacht, also katastrophisiert werden. Dabei wächst die Angst zunächst. In der Regel werden die Sorgen nie zu Ende gedacht um das Angstniveau niedrig zu halten. Die gleiche Sorge, bzw. das erarbeitete "Drehbuch" soll nun so oft durchgedacht werden, bis die ausgelöste und empfundene Angst niedriger wird und die Sorge ihre Bedrohung verliert. Bis also die Psyche habituiert.

Das zweite Verfahren stellt die Kognitive Therapie nach Wells dar. Dieser fand heraus, dass die Sorgen über die Sorgen, sogenannte Meta- Sorgen, für die Patienten schlimmer sind als die eigentlichen Sorgen. Manche Patienten fürchten, bei all den Sorgen verrückt zu werden. Wells konnte bestätigen, dass das intensive Hinterfragen dieser sogenannten Metasorgen zu einer Reduktion der Belastung und zu geringeren Sorgen führen. Notwendig dafür ist, zunächst die Metasorgen herauszufinden und diese konkret zu beschreiben.

Das dritte Verfahren konzentriert sich auf die körperliche Ebene der Angstempfindung. Es ist die Angewandte Entspannung nach Öst, welches auf der progressiven Muskelrelaxation beruht. Ziel ist es, dass die Patientin/ der Patient lernt, sich innerhalb weniger Augenblicke zu entspannen. Erst wenn dies gelingt, soll das Entspannungsverfahren in einer angstauslösenden Situation eingesetzt werden. Auch bei diesem Verfahren, wie bei den oben genannten, erfährt der Patient, dass er seine Angst und die Sorgen kontrollieren kann.

Michael Mary – Die Beziehungs Trickkiste

Michael Mary ist seit beinahe 40 Jahren Paar- und Singleberater, wie er sich nennt und hat bereits sehr viele Bücher in diesem Bereich veröffentlicht. Die Beziehungstrickkiste beschreibt diverse Schlagworte, welche im Zusammenhang mit Beziehung von besonderer Bedeutung sind. Jede Beschreibung ist nicht länger als zwei Seiten lang und endet mit einem Tipp aus der Trickkiste. Zu manchen kurzen Kapiteln gibt es auch Übungen für Paare.

Michael Mary unterscheidet primär die partnerschaftliche Liebe, eine frundschaftliche Liebe und eine emotional- leidenschaftliche. Meistens wechseln sich diese drei Formen in einer Beziehung ab, nicht selten widersprechen deren Interessen auch. Ganz klar beschreibt Mary jedenfalls, dass auch in einer Beziehung jeder für sich bleibt, jeder ein Individuum getrennt vom Partner zu sehen ist, seine/ihre Interessen weiterhin hat, etc. Ganz gliech, welche Problematik gerade ansteht, in diesem Buch wird man fündig- Zusammenleben, Kommunikation, Gefühle wie Hass, Eifersucht, Liebe, Wut, Langeweile, Sehnsüchte...