Debbie Corso – Stärker als Borderline. Wie du mit DBT dein Gefühlschaos kontrollieren kannst.

Debbie Corso, die Autorin, ist eine Betroffene. Bei ihr wurde eine Borderline Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Nur am Rande, aber doch auch deutlich ausgesprochen, dass sie unter ihren heftigen, vermeintlich unkontrollierbaren Emotionen gelitten hat. Dass es viele Jobwechsel gab, die zu einem späteren Zeitpunkt vermutlich so nicht statt gefunden hätten.

Wieder einmal landet Debbie Corso in der Notaufnahme im Spital- ein Ort, den sie mittlerweile sehr gut kennt, der für sie eine große Stütze darstellt, und deren Personal sie als „Freunde“ bezeichnet. Es wird ihr ein Intensivprogramm empfohlen- die dBT- dialektisch behaviorale Therapie. Begründet wurde das Programm von Marsha Linehan, Verhaltenstherapeutin und ebenfalls Betroffene mit selbstschädigendem Verhalten. Nach dem Studium begann sie mit chronisch suizidalen Frauen zu arbeiten und hat dazu Forschung betrieben.

Die dBT wird überwiegend bei Personen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung eingesetzt, welche als letzte Lösung in extrem emotionaler Anspannung, oft dysfunktionale Verhaltensweisen (meistens selbstschädigend) zum Stressabbau anwenden. Patientinnen werden dahingehend trainiert, zunächst achtsam auf ihre Gefühle und ihr inneres Erleben, wie auch auf die Umgebung zu fokussieren. Die Achtsamkeit ist die Basis der dBT. Darauf aufbauend geht es in Folge des Programms, bzw. des sogenannten „Skillstrainings“ um den Umgang mit Gefühlen, Stresstoleranz, zwischenmenschliche Fertigkeiten und Selbstwert.

Debbie Corso legt ein sehr persönliches Buch vor, in dem sie ihrer Begeisterung für die dBT Ausdruck verleiht. Dank dieser Therapie konnte sie vieles, auch Traumata aus vergangenen Zeiten, aufarbeiten, lernte vieles über sich und die Borderline Persönlichkeitsstörung und fand einen einen neuen Umgang mit sich und ihren Gefühlen. Heute erfüllt sie die Kriterien für die Borderline Persönlichkeitsstörung nicht mehr. Dank dBT.

Vier der fünf Komponenten der dBT (Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation sowie Beziehungsarbeit) widmet sie jeweils ein Kapitel. Anschaulich beschreibt sie, wie sie vor der Therapie lebte, welche Schwierigkeiten aufkamen, was sie mitmachte, welche Probleme sie zu bewältigen hatte und erklärt anhand der eigenen Erlebnisse die Notwendigkeit des jeweiligen Tools. Untermauert werden diese mit praktischen Übungen aus dem Therapieprogramm, welche man gleich selber ausprobieren kann. Sie leitet an, erklärt die Hintergründe, lädt zum Ausprobieren und Üben ein. Im Laufe des Buches wird immer klarer, dass die Emotionskontrolle bzw. die Vermeidung von dysfunktionalem Verhalten, sowie die angestrebten Veränderungen nicht ganz einfach gelingen, dass häufiges Üben und beständiges dran bleiben notwendig sind, dass die Therapie kein „Spaziergang“ ist, dass diese nur mit voller Konzentration schaffbar ist. Corso beschreibt auch die persönlichen Herausforderungen, z.B. in der Situation, als zusätzlich Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert wurde. Dadurch gelingt es ihr sehr authentisch, mögliche Stolpersteine auf dem Weg der Veränderung zu beschreiben. Debbie Corso greift dabei nicht nur auf ihre eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen zurück, sondern verarbeitet auch das Erleben anderer Personen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung. Diese haben an Corsos Online Trainigsprogramm nach dBT teilgenommen, welches Corso auf ihrem Blog, den sie seit Jahren schreibt, anbietet. Es ist ein sehr offenes, ermunterndes und ehrliches Buch über Borderline und die Therapie mittels dBT.

J.Teasdale, M.Williams, Z.Segal – Das MBTC- Arbeitsbuch. Ein 8 Wochen Programm zur Selbstbefreiung von Depressionen und emotionalem Stress.

MBCT – Mindfulness- based cognitive therapy oder auf Deutsch: Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie. Es geht darum zu lernen, mit sich selber fürsorglicher umzugehen, auf seine Gedanken und Gefühle zu achten und sie gezielter wahrzunehmen, ohne den Gedanken zu viel Macht zu überlassen. Gedanken sind nur Gedanken, die lediglich einen Aspekt des Geschehens wiederspiegeln, immer durch die momentane Stimmung beeinflusst sind und aus dieser heraus entspringen und damit längst nicht „DIE Wahrheit“ wiederspiegeln, wenn diese überhaupt erfassbar ist. Allzu oft tappen wir allerdings in die Falle, unsere Gedanken ernst zu nehmen und diesen Glauben zu schenken, anstatt diese ziehen zu lassen.

Teasdale, Williams und Segal stellen ein 8-wöchiges Programm vor, das zu jeder Woche ein anderes Thema vorgibt und dazu diverse Anleitungen und Fragen vorstellt. Die Übungen sind Meditationen- der „Atemraum“ als zentrale Übung, dazu Körper scan, Sitzmediation, Gehmeditation, etc. bzw. Achtsamkeitsübungen. Die Praxisnähe wird durch persönliche Reflexionen, Fragen, kritischen Anmerkungen und auch Erfolgserlebnissen von KursteilnehmerInnen verstärkt und unterstrichen.

Das Programm soll helfen, die persönliche Zufriedenheit und das Wohlbefinden zu steigern. Es wird nicht hinterfragt, woher die schlechte Stimmung kommt, oder wie die Depression begonnen hat oder wie die Kindheit verlaufen ist oder in welcher Situation man derzeit lebt. Durch das Meditieren soll es zunächst wieder möglich werden, sich dem aktuellen Augenblick ganz hinzugeben. Was nehme ich gerade in mir und bei mir wahr? Wohin entgleiten meine Gedanken? Wie gut gelingt es mir, mich auf meinen Atem zu konzentrieren? Wieso das wichtig ist? Allzu oft verrichten wir Routinetätigkeiten, welche wir nicht mehr wahrnehmen, die völlig automatisch ablaufen und während derer wir mit unseren Gedanken weit weg sind, die Zukunft planen, den neuen Tag organisieren, eine To do- Liste erstellen, schon die nächsten Gespräche durchgehen oder auch den alten Tag Revue passieren lassen, uns fragen, wie wir vielleicht besser arbeiten hätten können, besser manche Situationen lösen hätten können, dies oder jenes noch erledigen hätten sollen, etc. Meistens lösen diese Grübeleien, die so nebenbei laufen, eine Abwärtsspirale aus. Die Sorgen werden mehr, der Kreislauf, aus dem wir nicht herauskommen, die Aufgaben die uns zu erdrücken drohen. Es geht darum, vom „Tun Modus“ in den „Sein Modus“ zu kommen, von Gedanken und inneren Antreibern in der Vergangenheit oder in der Zukunft herauszukommen und sich zu lösen und in die Gegenwart zurückzukehren. Durch diese Distanz zu all unseren Gedanken wird eine innere Klarheit ermöglicht. Der nächste Schritt ist dann, liebevoller, freundlicher und gütiger mit uns selber und unseren Mitmenschen umzugehen.  Es geht also um das unmittelbare Wahrnehmen unseres aktuellen Zustandes und unserer Befindlichkeit, welches uns ermöglichen soll, direkt darauf zu antworten, anstatt zu reagieren. Unangenehme Gefühle sollen sehr wohl wahrgenommen werden, aber nicht gleich weggeschoben werden. Sie dürfen sein, dürfen da sein, dürfen wirken und werden dann wie auch positive Gefühle vorüberziehen. Oft löst der Widerstand gegenüber unangenehme Gefühle erst recht Leid aus. Achtsamkeit bedeutet auch, unangenehme Gefühle anzunehmen, anstatt sie los werden zu wollen.

K. Neff – Selbstmitgefühl

Es ist ein besonderes Buch über das Selbstmitgefühl, das Neff gelungen ist. Sie selber lehrt an University of Texas in Austin Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung und forscht seit 10 Jahren zu dem Thema Selbstmitgefühl. Das Buch ist einerseits sehr verständlich und praxisnahe geschrieben. Dann beschreibt sie jeweils am Ende von diversen Kapiteln sehr persönliche Erfahrungen und Herausforderungen in ihrer Lebensgeschichte, welche die Hinwendung zu dem Thema erklären sollen. Es ist eine Selbstoffenbarung und „bestätigt“, dass jede und jeder seine und ihre leidvollen Erfahrungen macht und Leid erlebt.

Das ist auch schon eine der drei Bestandteile des Selbstmitgefühls. Wie entsteht dieses? Zum einen geht es um Freundlichkeit gegenüber sich selber. Der ewige Kritiker in uns soll hinterfragt werden und gegen eine wohlmeinende, anerkennende und unterstützende Stimme ausgetauscht werden. Zum zweiten geht es um das Gefühl der Verbundenheit, das beschreibt, dass sich alle durch Stärken und Schwächen auszeichnen, wie auch dass jeder auf seine Art und Weise leidvolle Erfahrungen macht, aber mit diesen nicht alleine ist, da jeder von uns Leid kennt. Zum dritten braucht es Achtsamkeit. Einen achtsamen Umgang mit den eigenen Gefühlen, positiven wie auch negativen. Schmerzvollen Erfahrungen nicht auszuweichen, sondern diese auch zuzulassen und sich selber Trost zu spenden wie es ein guter Freund, eine gute Freundin machen würde.
Unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, negative Emotionen in besonderer Art und Weise wahrzunehmen und auf diese besonders gut einzugehen. Allerdings widmen wir uns dann sehr schnell dem Problemlösen zu, anstatt den negativen Emotionen nachzugehen und sich selber Gutes zu tun.

Eine Besonderheit des Buches sind die Kapitel zu Selbstmitgefühl in der Erziehung von Kindern und Selbstmitgefühl in der Liebe und Sexualität.

In der Kindererziehung wäre es als Eltern besonders wichtig, die eigenen Gefühle und Wahrnehmung zu benennen und auszudrücken. Ebenso wie heruntermachende und abwertende Stimmen gegenüber der Kinder zu unterlassen. Diese Stimme kann später zum schlimmsten inneren Kritiker der Kinder werden. Auch wäre ein wichtiger Punkt, als Eltern Fehler zugeben zu können. Das zeigt Eltern verletzlich und macht sie menschlich. Auch können Kinder am Vorbild am ehesten den Umgang mit Fehlern lernen. Sowie einen selbstmitfühlenden Umgang mit sich selber am Vorbild der Eltern lernen.

In der Partnerschaft macht sich der selbst- und mitfühlende Umgang besonders in Konfliktsituationen bemerkbar. Oftmals werden in Konflikten die eigenen Standpunkte hervorgehoben und gegen den anderen gerichtet. Hilfreicher wäre es, die Bedürfnisse des Partners wahrzunehmen und dieses auszusprechen. Ebenso wie seine eigenen Bedürftigkeiten zuzulassen und offen zu legen. Studien ergeben diverse Vorteile von selbstmitfühlenden Personen in der Partnerschaft: sie sollen fürsorglicher sein, haben mehr Zugehörigkeit, zeigen mehr Zuneigung, sprechen bereitwilliger Partnerschaftskonflikte an, etc. Ein Grund dafür dürfte wohl darin liegen, dass selbstmitfühlende Personen andere eher annehmen und akzeptieren wie sie sind und diese weniger verurteilen.

Ein spannender Aspekt von Neff ist auch, dem „Selbstmitgefühl“ die „Selbstwertschätzung“ gegenüber zu stellen. Sie beschreibt, dass das eine die Kehrseite der Medaille des anderen ist. Gilt es den eigenen Schwächen mit besonderem Selbstmitgefühl zu begegnen, so ist es auch wichtig, die eigenen Stärken auf natürliche Art und Weise wertzuschätzen- mit einem Gefühl der Selbstwertschätzung. Anders als beim Selbstwertgefühl definiert man sich weder als gut oder schlecht, sondern schätzt die besonderen Eigenschaften so wie sie sind. Und sieht auch gleichzeitig die Durchschnittlichkeit, die jeder von uns mit sich trägt. Selbstwertschätzung umfasst alles in uns, was gut und heilsam ist, innerlich wie äußerlich, wie Neff beschreibt. Allzu oft sind wir auf die kritischen Ereignisse oder negativen Lebenserfahrungen konzentriert, anstatt auch das wertzuschätzen, das vielleicht nicht so besonders, aber dennoch glücklich macht- wie zum Beispiel eine heiße Dusche nach einem kalten Wintertag. Forscher fanden heraus, dass es auf die Einstellung ankommt, die man auch alltäglichen Dingen entgegenbringt, um sich glücklich zu fühlen. Eine besondere Anregung der Autorin- ein Dankbarkeitstagebuch zu führen, in welchem man jeden Tag etwas Neues beschreibt, für das man am Ende des Tages dankbar ist. Dieses soll zu mehr Glücksgefühlen verhelfen.

In diesem Buch werden sehr viele interessante Aspekte und Themen angesprochen- auch das viel besprochene Selbstwertgefühl. Dabei werden zahlreiche Studien wie nebenbei von Neff beschrieben und belegen die intensive Forschung hinter diesem aufstrebenden Thema.

H. Morschitzky – Endlich leben ohne Panik. Die besten Hilfen bei Panikattacken.

Morschitzky legt hier einen Selbsthilferatgeber vor, der 80 Übungen beinhaltet. Panikattacken- massive körperliche Empfindungen und Aktivierungen mit gleichzeitiger Handlungsblockade. Manchmal wie „aus heiterem Himmel“ hereinbrechend, manchmal in kritischen Situationen und voran gegangener hoher Anspannung. Es gibt die unterschiedlichsten Verläufe und Leidenswege. Lange Zeit galten Panikattacken als nicht behandel- bzw. heilbar. Das hat sich zum Glück stark verändert. Morschitzky legt einen Ansatz vor, der zunächst die biologischen und physiologischen Gründe und Entwicklungen für eine Panikattacke bzw. Ängste genau aufzeigt. Wie es dazu kommt, dass das Herz vermeintlich so schnell schlägt, dass die Atmung rascher und flacher verläuft, dass man meint, keine Luft zu bekommen, dass einem schwindelig wird, einem der kalte Schweiß ausbricht oder die Hitze hochsteigt, oder gar die Umwelt sich seltsam entfernt anfühlt und man selber sich als fremd erlebt. Der Körper reagiert in solchen Momenten auf eine mögliche große Gefahr, die sich im Nachhinein oft als nicht existent herausstellt. Das bedeutet, dass Panikattacken sehr häufig Fehlalarme darstellen. Leider werden diese Fehlalarme so intensiv und angstmachend erlebt, sodass sich diese auf besondere Art und Weise einprägen. Die körperlichen Symptome werden als sehr gefährlich eingestuft- Ängste vor Herzinfarkt, Atemnot, Übelkeit oder Kontrollverlust stellen sich ein.  Es gilt, diese Gefühle und körperlichen Symptome tunlichst zu vermeiden. Es kann so weit gehen, dass ähnliche Umgebungen, ähnliche Situationen oder alleine der Gedanke an die vorigen Panikattacken bereits Panik auslösen können. Die Folgen sind meist Rückzug und Vermeidung, Einschränkungen im Alltag.

Morschitzy stellt klar, dass es keine Wunderheilung gibt. Er zeigt allerdings einen Weg auf, wie mit Wissen über die Panikattacken und die körperlichen Symptome ein neuer, befreiter Umgang mit der eigenen Angst gefunden werden kann. Anstatt der Angst und den Panikattacken auszuweichen, gilt es, offen auf diese zuzugehen; mit der Angst in einen Dialog zu treten und mit ihr leben zu lernen; seinen Interessen und Zielen Raum zu geben; die Vermeidung und den Rückzug systematisch aufzuweichen. Immer wieder gilt es, sich die medizinischen Fakten vor Augen zu führen, die starke körperliche Symptome wie Herzrasen und Atemnot auslösen können. Diesen Symptomen eine neue Bedeutung und eine andere Erklärung als bisher zuzuführen; falsche kognitive Denkmuster zu verändern.

Achtsamkeit- die bewusste, aufmerksame und wertfreie Wahrnehmung des aktuellen Augenblicks werden auch hier genau beschrieben. Mit ihrer Hilfe und dem achtsamen Wahrnehmen des aktuellen Augenblicks mit allen 5 Sinnen soll ebenfalls der Schrecken vor der Panik genommen werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die „Beobachterperspektive“- das Wahrnehmen der eigenen Symptome und Ängste ohne sich von diesen beherrschen und überschwemmen zu lassen. Ein passiv- beobachtende Haltung gegenüber seinen körperlichen Reaktionen. Ähnlich einem Nachrichtensprecher oder Kommentator eines Ereignisses. Dabei soll auch geübt werden, die eigenen Gedanken von realen Gefahren unterscheiden zu lernen. Die Gedanken sind nur Gedanken, die möglicherweise gar nicht das aktuelle Geschehen abbilden, sondern vielleicht gerade auf frühere Ereignisse und Erinnerungen zurückgreifen. Es kann passieren, dass durch das intensive körperliche Erleben die Gedanken allzu schnell zu früheren Panikattacken abdriften und diese die Angst, eine solche wieder zu erleben, weiter schüren und verstärken. Frühere, angstauslösende und angstverstärkende Panikattacken zeigen damit selbst in der Gegenwart ihre Wirkung. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen. Frühere Panikattacken können allerdings als Konfrontation in ruhigen Momenten dienen, wenn man diese bewusst nacherlebt und nachempfindet um den Umgang mit aufkommenden körperlichen Symptomen zu üben und zu trainieren.

Morschitzky betont auch die Rolle des Selbstmitgefühls im Umgang mit der eigenen Angst und den Panikattacken. Wichtig ist, diese auch in den Kontext der eigenen Lebensgeschichte zu stellen und sich diesen Zusammenhang vor Augen zu führen.

Es ist ein sehr anschauliches Buch, das diverse Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen, Angsterleben, Panik und Panikattacken wie auch anderen psychischen Erkrankungen erklärt und aufzeigt. Die Übungen sind gut verständlich, und wiederholen sich da und dort, was den Lerneffekt möglicherweise gut unterstützt.

Gabriele Rossbach – Mit Achtsamkeit zum inneren Glück. 15 Zentrierungsübungen für mehr Lebensintensität und Lebensfreude.

Zu Beginnn beschreibt Rossbach ihre eigene Krise, als sie, eben mit dem Studium fertig geworden und gerade im Berufsleben eingestiegen, in einer Depression verfiel. Aus heutiger Sicht, so meint sie, hätte sie unter einer Liebes- und Anerkennungssucht gelitten. Sie war eben ausgebildete Lehrerin und fand keinen Weg, glücklich zu werden. Sie begann selber zu recherchieren, setzte sich auf die Unibibliothek und forstete allerlei Bücher über das Selbstwertgefühl und dessen Stärkung durch. Dabei erkannte sie, dass eine Hilfe in Form von Psychotherapie gut sein könnte. Drei Jahre probierte sie verschiedene Therapien aus, ohne viel Erfolg. Sehr frustriert fand sie zufällig ein Buch über Yoga als Therapie und vertiefte sich auf diesem Gebiet. Das Wohlbefinden stellte sich recht plötzlich ein, mehr als je zuvor. Viele Seminare auf der ganzen Welt folgten.

Im vorliegenden Buch beschreibt sie, nach einer Einführung über Achtsamkeit und die neuronalen Auswirkungen von Meditation und Tiefenentspannung, 15 Übungen, welche ihr besonders geholfen hätten und sie auch in Seminaren bereits erfolgreich weitergeben konnte. Die Übungen sind kurz und prägnant. Eignen sich gut für die wiederholende Umsetzung im Alltag. Hat man bereits Erfahrung im Medititieren, so sind diese Übungen sicher ein wenig zu kuz gegriffen. Klassischerweise beschäftigt sich die erste Übung mit der Atem, die zweite mit dem Solarplexus, dem besonderen Energiepunkt im Bauch und die dritte mit der Achtsamkeit. Die Übungen bauen ein Stück weit aufeinander auf, aber am Ende sucht man sich jene Übungen aus, welche einem am besten liegen. Es ist sicher ein gutes Werk um mit Meditationen vertraut zu werden. Auch helfen wenige Minuten jeden Tag um das eigene Wohlbefinden, die Zufriedenheit und Gelassenheit im Alltag zu steigern.

Andreas Knuf, Christiane Tilly – Borderline: das Selbsthilfebuch

Christiane Tilly ist eine Betroffene, welche am Ende des Buches in einem Interview ihr Leben mit der Borderline Persönlichkeitsstörung schildert. Sie beschreibt, dass sie mittlerweile sehr viele Ziele erreicht hätte, an die sie früher gar nicht zu denken gewagt hätte, und dass sie in den letzten 15 Jahre einen Umgang mit ihren „besonderen Eigenschaften“ gefunden hätte. Schwierige Situationen lösen heute bewältigbare Krisen aus. Schwierig sei es gewesen, eine neue Identität zu finden, bei der die Borderline Persönlichkeitsstörung nicht im Mittelpunkt stünde. Lange Zeit, und vor allem auch im therapeutischen Kontext, wäre sie nur als „Borderlinerin“ betrachtet und behandelt worden.

Das vorliegende Buch ist ein Selbsthilfebuch. Über hundert betroffene Personen wurden zu ihrer Störung und ihrer Geschichte mit dieser befragt. Diese kommen in praktischen Beispielen auch zu Wort. Es werden zunächst die typischen Merkmale beschrieben- Stimmungsschwankungen, selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität, die Schwierigkeit, alleine zu sein, das Verspüren einer großen inneren Leere, das Beurteilen in schwarz und weiß ohne  Zwischentöne zu erleben. Knuf und Tilly geben einige Ratschläge, welche keine Therapie ersetzen können, aber im Alltag helfen oder anderen bereits geholfen haben. So ist es zunächst wichtig, schwierige und krisenhafte Situationen zu analysieren. Und zu erkennen, dass die betroffene Person mit ihrem Verhalten zum Ausgang der Situation beigetragen hat. Diese Überlegung soll aus der Ohnmacht helfen, nichts verändern und beeinflussen zu können. Es gibt Eigenverantwortung zurück. Dabei ist die Überlegung natürlich wichtig, was überhaupt veränderbar ist und was als gegeben akzeptiert werden muss.

In schwierigen Situationen, zum Beispiel, wo man sich gekränkt fühlt oder sich eine gefährliche innere Leere breit macht, ist es hilfreich, über einen „Notfallkoffer“ zu verfügen. Dieser kann tatsächlich gepackt sein oder auch nur gedanklich parat sein. Es geht um angenehme Dinge oder auch herausfordernde Tätigkeiten, wie Denksportaufgaben, welche von einer möglichen Selbstverletzung oder einem anderen schädlichen Verhalten ablenken sollen.

Auch ganz praktische Dinge, wie die Auswirkungen einer Borderline Erkrankung, werden in dem Buch thematisiert. So zum Beispiel der Umgang mit den Narben, welche durch die Selbstverletzungen entstanden sind. Oder auch die möglichen Lücken im Lebenslauf, wenn lange Klink- oder Therapieaufenthalte erfolgten.

Ausführlich geht es auch um die Hilfestellung durch Selbsthilfegruppen, welche dem Austausch und der Entwicklung dienen und möglicherweise auch ein Auffangnetz bei Krisen darstellen.

Ein sehr gelungenes und praktisch orientiertes Buch zur Selbsthilfe!

Dennis Tirch – Selbstmitgefühl als Weg durch Angst und Panik. Ein praktischer Ratgeber auf Basis der Compassion Focused Therapy

In der Verhaltenstherapie gibt es viele klassische Ansätze, die zur Bewältigung von Angst und Panik seit Jahrzehnten erfolgeiche angewandet werden. Dazu zählt vor allem die kognitive Verhaltenstherapie zur Veränderung von negativen Denkmustern oder auch der Einsatz der Exposition, in welcher es um die aktive Auseinandersetzung durch das Aufsuchen von angstausösenden Situationen geht. Ziel ist es, sich an diese Situationen zu gewöhnen und dabei zu erfahren, dass die Angst langsam nachlässt und weniger wird; dass man ein Stück weit habituiert oder sich gewöhnt.

Selbstmitgefühl ist ein neuerer, und wissenschaftlich bestätigter Ansatz, der als gute Ergänzung zu den klassischen Verfahren in der Verhaltenstherapie dienen kann. Selbstmitgefühl beschreibt einen wertschätzenden, verständnisvollen, wohlwollenden und anteilnehmenden Umgang mit sich selber, bei welchem das aktuell vorliegende Befinden so hingenommen wird, wie es ist. Auch eine neugierige Offenheit für dieses Erleben und unsere Erfahrungen soll dabei entwickelt werden. Alle Personen, insbesondere ängstliche Personen, kennen das Gefühl, wenn ihre Gedanken um mögliche negative Ausgänge oder Zukunftsszenarien kreisen und die Sorgen immer größer und beängstigender werden. Diese Fähigkeit wird nun genützt, um die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken, wie z.B. auf die eigene Atmung, auf den Körper oder das Gehen. Es werden meditative Verfahren eingesetzt, die bei häufigem Üben, ein Wohlbefinden und eine Entspannung auslösen, welche keine Angst zulassen. Alle Gedanken, positive wie negative sollen dabei gesehen, aber weder bewertet noch verurteilt werden. In aller Gelassenheit und Ruhe lässt man die Aufmerksamkeit zurückkehren.

Eine sehr wichtige Haltung, die neben dem Selbstmitgefühl ebenso zu tragen kommt, ist Akzeptanz. Es geht dabei nicht um ein Resginieren. Im Gegenteil- mit neugieriger und warmherziger Offenheit wird man sehr wohl seiner Seiten bewusst, welche man gerne verändern möchte oder man diese auch verändern sollte. Allerdings wird diesen nicht in strenger, abwertender und fordernder Kritik begegnet, sondern das Ziel ist vielmehr eine mitfühlende Selbstkorrektur. Kann ich mich selber so akzeptieren wie ich bin und mich gleichzeitig ermuntern, dies oder jenes zu verändern, so werde ich vermutlich wesentlich mehr motiviert sein, als wenn ich mich beständig erniedrige und abwerte.

Das Buch erklärt zunächst die Entstehung und die Bedeutung von Ängsten- weshalb diese keinen „Fehler“ darstellen. Und beschreibt in einem praktischen Teil sehr viele Übungen und Mediationen, welche das mitfühlende Denken und das mitfühlende Verhalten gut erlernen lassen.

Gyde Callesen – Angst hat die Quersumme 5

Es ist ein Roman, in welchem die Hauptprotagonistin Anna Svendheim plötzlich eine Panikattacken erleidet. Sie ist Reisefotografin, oft unterwegs, verbrachte auch einmal mehrere Monate in Australien und befindet sich zum Fotografieren gerade alleine auf einer einsamen Insel, als ihr plötzlich heiß und kalt wird, ihr Herz zu rasen beginnt, der Horizont vor ihren Augen schwankt, ihr Kopf sich wie in einem Schraubstock anfühlt und sie einen stechenden Schmerz in ihrer Brust erfährt. Sie flieht bei nächster Gelegenheit von der Insel und erlebt nun, dass ihr Radius täglich kleiner wird. Gyde Callesen gelingt es gut, die Angst, die Panik, die Plötzlichkeit und auch die Heftigkeit dieses Gefühls zu beschreiben. Die Romanfigur erlebt das Auseinanderbrechen ihrer bislang funktionierenden Welt- Jobverlust, Trennung ihres Freundes, Finden eines neuen Jobs bei einer Regionalzeitung und erlebt nie dagewesene Tiefen. Verzweiflung, Ohnmacht, Angst, Einsamkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit. Leider erfährt Anna Svendheim kaum professionelle Hilfe. Sie fährt zwar für 8 Wochen auf Kur, aber ist sonst die meiste Zeit mit ihren großen Problemen auf sich alleine gestellt. Noch dazu hat sie ein negatives Bild von Verhaltesntherapie.

Hier hat die Autorin leider nicht das nötige Wissen gehabt, um ein richtiges Bild von Verhaltenstherapie zu zeichnen. Hilfreiche Worte und Ansätze- in Richtung Achtsamkeit, Akzeptanz und Selbstmitgefühl- werden einer Art Traumfigur oder guten Fee in den Mund gelegt. Obwohl diese Ansätze seit Jahren zu einem festen Bestandteil der Verhaltenstherapie zählen und nachweislich hilfreich sind. Auch gehört das Besprechen und Suchen der möglichen Faktoren, welche zum Störungsbild beigetragen haben und immer noch beitragen und dieses möglicherweise auch aufrecht erhalten, zu einer guten Verhaltenstherapie. Es ist sehr schade, dass das sonst sehr gut zu lesende Buch, diesbezüglich so wenig hilfreich ist.

Irvin D. Yalom – Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten

Es ist die Autobiografie von Irvin Yalom, der in seinem jüngst erschienenen Roman sich selber, seinen Werdegang und sein abwechslungsreiches wie reichhaltiges Leben zum Thema macht.

Als Kind von russisch- jüdischen Einwanderern wächst er in großer Bescheidenheit in Washington D.C. auf und lernt von seinen Eltern harte Arbeit und Fleiß kennen (sie betreiben direkt unter der Wohnung ein Lebensmittelgeschäft). Da die Eltern 6 Tage die Woche geöffnet haben, ist Irvin die meiste Zeit auf sich allein gestellt. Zu seiner Mutter hat er zeitlebens ein sehr distanziertes Verhältnis, seinen Vater, so bedauert er später, kennt er viel zu wenig. Die Ehe der Eltern verläuft sehr gut- sie hängen sehr aneinander.

Yalom kann sich einen der wenigen, für Juden vorgesehenen Studienplätze in Medizin erkämpfen. Bereits im 1. Studienjahr weiß er, dass er sich als Psychiater ausbilden lassen möchte. Von einer eigenen Analyse ist er wegen der großen Distanz der Therapeutin ihm gegenüber enttäuscht. In all den Jahren der praktischen Tätigkeit mit Patienten und auszubildenden Assistenzärzten stellt er fest, dass das persönliche Verhältnis, die Transparenz im therapeutischen Arbeiten und die Offenheit grundlegende Fortschritte im Therapieprozess mit sich bringen. Damit ist Yalom Vorreiter einer neuen Denkweise.

Ein großes Forschungsthema im Laufe seiner Tätigkeit als Stanford Professor sind Gruppentherapien. Er selber hatte das Glück, den Anfang von Therapiegruppen mitzuerleben und durfte diese dann auch sehr bald gestalten und leiten. Er experimentierte und beobachtet, dass die Patienten und Patientinnen am meisten von den Rückmeldungen der beobachtenden Assistenzärzte profitierten und auf diese nach kurzer Zeit bereits warteten.

Das Buch ist nicht nur eine Darstellung seiner medizinischen und psychotherapeutischen Laufbahn, sondern umfasst auch eine ganz große Liebesgeschichte. Yalom lernte bereits als Schüler seine Frau Marilyn kennen und liebe. Ihr großes Interesse an Literatur verbindet die beiden auf besondere Art und Weise. Bald sind sie unzertrennlich und heiraten einige Jahre später. Bis heute schätzt sich Yalom überaus glücklich, seine Frau an seiner Seite zu haben.

Eine große Begabung Yaloms ist auch sein schriftstellerisches Talent. Gleich zu Beginn seiner Facharztausbildung veröffentlicht er seinen ersten Artikel in einer Fachzeitschrift. Viele weitere sollten folgen. Ebenso wie eine ganze Reihe von Büchern, in denen er zunächst sein Wissen und seine wertvollen Erfahrungen als Therapeut weitergibt, bevor er seine Leidenschaft zur Literatur mit dem psychotherapeutischen Wissen in Romanen zusammenfließen lässt. So entsteht zum Beispiel der fiktiv historische Roman „Und Nietzsche weinte“. In diesem sucht Nietzsche Dr. Breuer in Wien auf und bittet ihn, ihm wegen seiner Depressionen zu helfen. Yalom beschreibt in seiner Autobiografie nicht nur die große Freude am Schreiben, sondern auch sein großes Interesse und seine Lust am intensiven Recherchieren im Vorfeld.

Es ist ein großartiges, leichtes und gleichzeitig sehr anregendes und faszinierendes Buch über ein noch außergewöhnlicheres Le

Hans Morschitzky – Angst und Sorgen die Macht nehmen. Selbsthilfe bei Generalisierter Angststörung.

Sorgen und Ängste nehmen zu. Immer mehr Personen sind verstärkt von diesen betroffen und leiden vermehrt darunter, obwohl Wohlstand, Sicherheit und Absicherungen in den letzten Jahren gewachsen sind. Es werden Sorgen gewälzt und ganze Sorgenketten gebildet, ohne dass Lösungen für diese gefunden werden können. Auffallend ist, dass es diesen Personen schwer fällt, mit einem gewissen „Restrisiko“ leben zu lernen. Sorgen beinhalten zukünftiges Geschehen, das eintreten könnte, aber meistens nicht eintritt. Wahrscheinlichkeiten für das Eintreten von negativen Ereignissen werden oft überschätzt. Es können die Sorgen aber auch als eine Art Absicherung gelten- denke ich an den schlimmsten Ausgang oder die schlimmsten Möglichkeiten, werden diese nicht eintreten. Das würde in Richtung magisches Denken hinauslaufen. Diverse Denkfehler werden an den Tag gelegt, die die Sorgen aufrecht erhalten. Immerzu quälen aber Fragen „Was wäre, wenn…“.

Bei der Generalisierten Angststörung stehen oft Sorgen um die nächsten Angehörigen im Vordergrund. Es bestehen Ängste, dass diesen etwas zustoßen könnte, diese erkranken oder sogar plötzlich sterben könnten. Dabei empfindet sich die ängstliche Person möglicherweise als besonders empathisch und „für-sorglich“, und würde ein anderes Verhalten vielleicht sogar als herzlos betrachten. Dass diese Sorgen auf der anderen Seite zu Bevormundung und Einengung führen können, wird dabei nicht in Betracht gezogen.

Sorgen und Ängste über mögliche zukünftige Ereignisse haben oft auch mit einem geringen Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit zu tun. Trotz positiver Erfahrungen werden negative Ausgänge verstärkt in Betracht gezogen, da die Betroffenen kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten, Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten haben. Diese geringe Selbstwirksamkeit führt demnach zu Hilflosigkeit und Angst. In der Therapie kann ein Ziel sein, neues Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und dann mutig Dinge zu tun, obwohl Angst da ist. Ziel ist es nicht, die Angst gänzlich auszuschalten. Sondern mit dieser umgehen zu lernen.

Das nötige Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die eigene Person kann mittels Verhaltensexperiment wieder gewonnen werden. Dazu werden Situationen ausgesucht, welche Unsicherheiten hervorrufen. Das kann zum Beispiel ein Lokalbesuch in einem neuen Lokal sein, oder das Bestellen und Ausprobieren einer neuen Speise, oder das Einkaufen, oder das Treffen einer Entscheidung ohne den Partner oder Freunde zur Absicherung miteinzubeziehen, etc. Mit all diesen alltäglichen Experimenten können neue Verhaltensweisen trainiert werden.

Das Buch von Hans Morschitzky beleuchtet die Problematik der Generalisierten Angststörungen aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, differenziert genau zwischen der Generalisierten Angststörung sowie anderen Angsterkrankungen wie den Phobien, der sozialen Angst, den Panikattacken, und gibt gute und vielfältige Anregungen zur Bewältigung.